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Kalila und Dimna. Fabeln aus dem klassischen Persien.

This book is written in Deutsch

"Kalila und Dimna" ist eine uralte Fabelsammlung, die in Indien entstand und über Persien und Arabien den Weg durch die gesamte Welt nahm – ein Klassiker im besten, lebendigsten Sinn des Wortes

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Verlag: Beck Verlag
ISBN-13: 978-3-40-640361-3
Seiten: 452
Erscheinungsjahr: 1996
Größe: 13.2 cm x 21 cm
Gewicht: 540 g
Einband: Gebunden

"Kalila und Dimna" ist eine uralte Fabelsammlung, die in Indien entstand und über Persien und Arabien den Weg durch die gesamte Welt nahm – ein Klassiker im besten, lebendigsten Sinn des Wortes. Die persische Fassung, die hier erstmals in deutscher Übertragung vorgelegt wird, zeichnet sich durch eine kunstvolle, bilderreiche Prosa aus, durch eingestreute arabische und persische Sinnsprüche, Gedichte und geflügelte Worte: eben durch all das, was wir nur allzu gern als "typisch orientalisch" bewundern.
Ein riesiger Stier gerät durch mißliche Umstände in die Fremde; als er sich dort an einer saftigen Wiese gütlich getan hat, erwacht die Lebensfreude in ihm aufs neue – und er brüllt gewaltig. Dermaßen gewaltig, daß es bis ans Ohr des Löwen dringt, der ob der offensichtlichen Kraft des Eindringlings sehr ins Grübeln verfällt. Einer der beiden Schakale aus seinem Gefolge – der Titelfiguren Kalila und Dimna – will die Verunsicherung des Königs nutzen, um in seiner Gunst zu steigen: Er geht der Sache auf den Grund und bringt den Stier dann auch gleich an den Hof. Zu seinem Leidwesen muß er jedoch miterleben, wie statt seiner der fremde Stier zu Lob und Ehren kommt; von Neid zerfressen, beschließt er, den Stier bei den Hörnern zu packen und schnellstens wieder zu beseitigen. Aber wie? Es wird wohl ein wenig Blut fließen müssen... 
Erstes Kapitel
Der Löwe und der Stier

Zweites Kapitel
Dimnas Gerichtsverhandlung

Drittes Kapitel
Die Ringeltaube, der Rabe, die Maus, die Schildkröte und die Gazelle

Viertes Kapitel
Die Eulen und die Raben

Fünftes Kapitel
Der Affe und die Schildkröte

Sechstes Kapitel
Der fromme Mann und das Wiesel

Siebtes Kapitel
Die Katze und die Maus

Achtes Kapitel
Der König und der Vogel Fanza

Neuntes Kapitel
Der Löwe und der Schakal

Zehntes Kapitel
Der Bogenschütze und die Löwin

Elftes Kapitel
Der fromme Mann und sein Gast

Zwölftes Kapitel
Der König und die Brahmanen

Dreizehntes Kapitel
Der Juwelenhändler und der Reisende

Vierzehntes Kapitel
Der Königssohn und seine Gefährten

Anhang



Rezension

Neue Zürcher Zeitung
Klassiker der arabischen Welt.

Die Neue Orientalische Bibliothek bei Beck

 

«Gottes ist der Orient, Gottes ist der Okzident.» Goethe hatte einst im «West-östlichen Divan» die Gleichrangigkeit der Welten beschworen ? und auch die Notwendigkeit des Wissens voneinander. Fragt man heute einen gebildeten Araber nach den grossen Köpfen des Okzidents, so wird man nicht selten Namen wie Goethe, Schiller, Lessing, Rousseau, aber auch Grass oder Hesse zur Antwort erhalten. Den meisten Europäern hingegen ? wohlgemerkt jenen, die sich für gebildet halten ? fallen umgekehrt oft nur die «Märchen aus 1001 Nacht» und vielleicht noch Nagib Machfus oder Yasar Kemal ein.

Das ausklingende 20. Jahrhundert ist hingegen eher von einem Feindbild Orient geprägt, und auf dem Buchmarkt scheinen pekuniäre Interessen zu dominieren. Um so erfreulicher ist ein neues Projekt des Münchener Verlages C. H. Beck, der im Herbst mit vier sorgsam ausgewählten und ausgestatteten Bänden grosser Texte und Autoren des Orients eine Reihe mit dem Titel «Neue Orientalische Bibliothek» eröffnete. In einer guten verlegerischen Tradition initiierte Wolfgang Beck selbst die Reihe, in der künftig pro Jahr zwei bis vier «Klassiker» des orientalischen Kultur- und Geisteslebens erscheinen sollen. Gedacht ist dabei an eine repräsentative Mischung echter Klassiker wie der persischen Dichterfürsten Hafis oder Nizami und zeitgenössischer Pendants wie Machfus oder der kürzlich verstorbene türkische Satiriker Aziz Nesin. Romane, Gedichte, Volksepen und Reiseberichte stehen dabei ebenso auf dem Programm wie philosophische, religiöse oder politische Texte.

Repräsentativ für diese Mischung stehen die ersten vier Bände des Jahres 1996. Zu den echten Klassikern zählt die berühmte Fabelsammlung «Kalila und Dimna», die zum Gemeingut gleich mehrerer grosser Kulturen des Orients gehört. Entstanden im Indien des 3. Jahrhunderts, erreichte dieser östliche «Fürstenspiegel» schon bald Persien und Arabien und verselbständigte sich mit immer neuen lehrhaften Geschichten um die beiden Schakale Kalila und Dimna, den Repräsentanten von Gut und Böse am Hofe des Löwenkönigs. Islamische Lyrik aus tausend Jahren hat die Orientalistin und Friedenspreisträgerin Annemarie Schimmel in dem zauberhaften Sammelband «Die schönsten Gedichte aus Pakistan und Indien» zusammengetragen. Und Aziz Nesin steuerte mit «Ein Verrückter auf dem Dach» eine repräsentative Auswahl kleiner Meistersatiren aus fünfzig Jahren seines reichen Schaffens bei.

Nun ist die neue Reihe sicher auf dem deutschsprachigen Buchmarkt vom Ansatz her gar nicht einmal so einmalig. Viele kleinere Verlage bemühen sich schon seit geraumer Zeit mit unterschiedlichen Schwerpunkten, diesen Teil der Welt in das Bewusstsein zu rücken, etwa der Unionsverlag in Zürich, Volk und Welt in Berlin oder Dagyeli in Frankfurt. Bei den grossen Verlagen allerdings war dieser Bereich bisher eher dem Zufall überlassen und die Auswahl arg willkürlich (sieht man einmal von den entsprechenden Bändchen in der Manesse-Bibliothek ab). Auch der Beck-Verlag selbst hatte vor einigen Jahren ein ähnliches Projekt (weswegen die heutige Reihe auch «Neue Orientalische Bibliothek» heisst), doch kam man damals über eine kaum repräsentative Palette von einem guten Dutzend Büchern nicht hinaus.

Doch wenn man davon ausgeht, dass in unseren Breitengraden die Schulen nicht gerade üppig über diesen Teil der Welt vorbilden und das öffentliche Bild stark von Klischees in den Köpfen und Kurzmeldungen in den Medien geprägt ist, kommt gerade den grossen ? und eben nicht den engagierten kleinen ? Verlagen eine besondere Rolle zu. Nur über die massive Marktpräsenz eines solchen Hauses wäre allenfalls ein Bewusstsein zu schaffen, das dem gegenseitigen Verständnis zwischen den Kulturen dienlich ist; nur so besteht wenigstens eine minime Chance auf Breitenwirkung ? so dass vielleicht irgendwann einmal Vergleiche wie «der Eulenspiegel des Orients» oder «der türkische Böll» (Nesin) überflüssig werden.

Dass er mit dieser Reihe keine Reichtümer ernten wird, weiss der Verleger Beck sehr wohl. Er gehe noch nicht einmal davon aus, dass sich das Projekt finanziell trage, sagt er im Gespräch. Trotzdem war es ihm wichtig, die einzelnen Bändchen hochwertig auszustatten: in Leinen gebunden, auf bestem Papier gedruckt, mit Fadenheftung und Lesebändchen versehen sowie jeweils mit einem kundigen Vor- oder Nachwort ausgestattet. Dies dokumentiert auch optisch und «in der Hand» den Stellenwert der Reihe und macht das Lesen zum Vergnügen. Wohl selten können Rezensenten denn auch mit solcher Gewissheit sagen: Hier ist etwas gut gemeint ? und gut gelungen.

                                                                                                                                                                                           

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